Dünenlandschaften, endloser Sandstrand, Schattenspiele und enorm viel Wind

 

Es ist mein erster Besuch auf der Halbinsel Eiderstedt. Konkret führt mich mein Weg nach Sankt Peter-Ording ganz an der Westspitze dieser Halbinsel inmitten des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. 

 

Statt Alpen und Ski fahren während dieses Kurztrips im Januar also Nordsee und Strand wandern - liegt mir sowieso viel besser als die Bretter. Und eisig kalt ist's auch hier, so dass der Deich, die Dünenlandschaft, der Sand, die Strandkörbe und Bänke schön weiß überzogen sind. 

 

Moin. Die Kälte macht aus dem Deich eine leichte Eisfläche
Moin. Die Kälte macht aus dem Deich eine leichte Eisfläche
Die Rippelmarken sind auch von Eis überzogen
Die Rippelmarken sind auch von Eis überzogen
Eiskunstwerke, ........
Eiskunstwerke, ........
.....von der Nordsee geformt.
.....von der Nordsee geformt.
Langsam wärmt die Morgensonne.......
Langsam wärmt die Morgensonne.......
Den heißen Tee nehmen wir dann doch lieber drinnen......
Den heißen Tee nehmen wir dann doch lieber drinnen......

 

Insgesamt 1.400 Strandkörbe gibt's hier in Sankt Peter-Ording, die Jahr für Jahr für die Sommermonate am Strand hinausgestellt werden.

Ein Teil der Standkörbe kommt bei der traditionellen Strandkorbversteigerung (die in 2019 am 26. April um 14.00 Uhr auf dem Bauhofgelände in Sankt Peter-Ording stattfindet) unter den Hammer - eine tolle Gelegenheit, ein Stück Sommerfeeling mit nach Hause zu nehmen. 

 

 

Der Stand der Sonne schraubt sich auch im Winter etwas höher, so dass es beim Spaziergang durch die Sandsalzwiesen zwischen Deich und Strand in der Mittagssonne richtig warm werden kann.

 

Die Sandsalzwiesen, welche den Übergang zwischen Meer und Land bilden, sind im Schutz der Sandbänke und Vordünen entstanden. Da die Vordünen als Barrieren gelten und somit die Kraft der Wellen brechen, können sich an deren Wattseite Sediment und Sand durch Sandflug ablagern. Typisch für die Sandsalzwiesen ist ein Reichtum an verschiedensten Arten von Pflanzen und Insekten und auch ein natürliches Entwässerungssystem, welches von natürlichen Prielen gebildet wird. 

 

Mit Sankt Peter-Ording unverwechselbar verbunden: Die Pfahlbauten

 

Bereits 1838 wurde hier an der Nordseeküste in dem bis dahin sehr armen St. Peter der erste Badegast begrüßt. Viele Sommerfrischler folgten. Das erste Hotel in den Dünen zwischen St. Peter und Ording eröffnete schließlich 1877. 

Schließlich wurde die Zahl der Gäste so groß, dass Gebäude am Strand gebaut wurden. Diese Gebäude mussten jedoch im Gezeitenbereich gegen Überflutungen geschützt werden. So wurde 1911 der erste Pfahlbau auf Stelzen errichtet.

Früher hießen diese Pfahlbauten "Giftbude", denn das bedeutet im Plattdeutschen "dor gift dat wat".

  

 

Der Bau dieser Pfahlbauten ist auch für die Handwerker und Tischler immer wieder spannend. Die Pfähle sind 6 m im Boden untergebracht. Am 12 km langen Strand von Sankt Peter Ording gibt es fünf Pfahlbaurestaurants - jetzt im Winter ist eines, die Arche Noah direkt an der Seebrücke bei Bad, geöffnet.

 

Dieser lange Strand ist mit seinen fünf Strandabschnitten auch in verschiedene Zonen eingeteilt: Zonen für Strandsegler und Kitesurfer, Zonen, in denen Hunde entsprechend ihren Auslauf haben können, Zone für Pferde.....

 

Ich habe nicht alle fünf Strandabschnitte ansteuern können, habe es dennoch geschafft, fast 80 km über Deich, durch Sandsalzwiesen, entlang der Dünen und der Nordsee spazieren zu können, bei Wind und Wetter und dick eingepackt.

 

Unterwegs nach Norden

 

Vor Reiseantritt war es mir nicht bewusst, dass dieses 4000-Einwohner-Seebad Sankt Peter-Ording ganze vier Ortsteile hat. Untergebracht bin ich in Bad, nach Norden folgt Ording, nach Süden Dorf und Böhl.

 

Auf dem Weg nach Ording folge ich erst dem Deich, weiter geht's durch den Kiefernwald. Die Ausschilderung allerdings ist nur für die Fitness-Routen-Nutzer perfekt, ich verlasse mich auf meinen Orientierungssinn.

 

 

Auf dem Weg nach Ording komme ich an diesem Aussichtsturm auf der Düne "Maleens Knoll" vorbei. 

Gemäß des Infoschildes der AG Orts-Chronik verbirgt sich hinter dieser Düne die folgende Geschichte:

"Vor etlichen Zeiten saß Maleen, ein junges Mädchen, das einem Seemann versprochen war, auf der höchsten Düne von St. Peter vor ihrem Spinnrad.

Ihr Verlobter war zur See gefahren, um in der Fremde sein Glück zu machen. Maleen hatte versprochen, auf ihn zu warten, und ging jeden Tag zur höchsten Düne, um Ausschau zu halten. Sie nahm ihr Spinnrad mit, um die Zeit zu nutzen. Sie wartete viele Tage, und wenn die Dunkelheit hereinbrach, zündete sie eine Laterne an, die auch nachts ihrem Verlobten den Weg zeigen sollte.

Jahre vergingen, aber er kam nicht zurück. Man hatte sich an die Lampe auf der Düne gewöhnt.

Eines Tages erschraken die Bürger von St. Peter und Ording, denn es brannte kein Licht auf der Düne. Sie gingen hin und sahen Maleen tot an ihrem Spinnrad sitzen.

Viele Wochen später fand man einen toten Seemann am Strand. Er trug den gleichen Ring wie Maleen."

 

 

Die gute, alte Rad-Hinweisbeschilderung zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin..... Weiter geht's zum Strand von Ording.

 

Gerade aus zu zur Strandbar 54° Nord
Gerade aus zu zur Strandbar 54° Nord

 

Der Wind ist enorm und er treibt die Sandkörner vor sich her. Die Dünen am Strand verändern täglich ihr Aussehen. Bei starkem Wind kann eine Düne bis zu 50 cm höher werden. 

 

Der Wind treibt die Sandkörner vor sich her
Der Wind treibt die Sandkörner vor sich her

 

Über sechs Stunden lang steigt der Meeresspiegel bis zum "Hochwasser" (Flut), dann fließt bei Ebbe das Wasser wiederum über sechs Stunden lang zurück, so dass bei "Niedrigwasser" weite Gebiete des Wattenmeeres trocken liegen und man somit hier über den Meeresboden spazieren gehen kann - genial, oder?!

 

 

Im Herbst 2018 fand hier in Sankt Peter-Ording die Weltmeisterschaft im Strandsegeln statt. 14 Nationen nahmen teil, 155 Piloten waren am Start. Die Strecke hier in SPO ist besonders herausfordernd, da jede Ebbe und Flut das Profil der Strecke wieder ändert.

 

Diese Landyachten können bis zu 130 Stundenkilometer schnell werden - somit gehört das Strandsegeln zur schnellsten Sportart unter den Sportsegelarten an Land. 

 

Strandsegler
Strandsegler

Unterwegs nach Süden

 

Es ist belegt, dass bereits Wikinger in diesem Bereich siedelten. Im Ortsteil Dorf wird im Museum der Landschaft Eiderstedt die Geschichte zu dieser Halbinsel dargestellt. Aber auch findet man in Dorf viele schöne kleine Läden und Boutiquen, nette Restaurants und Cafe's. Durch den Ort lässt sich schön bummeln, den jeweils Mittwochs stattfindenden Markt allerdings habe ich verpasst. 

 

 

Bevor es die Strandkörbe gab, wurden Badekarren als Transportmittel und Umkleidekabine genutzt. Mit dem Badekarren wurde der Gast durch einen berittenen Hoteldiener bis zur Wasserkante gebracht, umgezogen wurde sich während der Fahrt. Am Wasser angekommen, entfernten sich Diener und Pferd um nicht zu stören. Wollte der Gast wieder zurück ins Hotel, steckte er ein rotes Signalfähnchen in die Karrenhalterung und wurde vom Hoteldiener wieder abgeholt 

 

Nachbau eines historischen Badekarrens
Nachbau eines historischen Badekarrens

 

Für die Einfahrt in das Fahrwasser "Mittelhever" und "Eider" wurde der Turm des Sankt Peter Leuchtfeuers 1882 als Peilbake (Seezeichen zur Orientierung) errichtet und schließlich 1914 zum Leuchtfeuer umgebaut. Das Feuer des über 18 m hohen Turms sendet zwei Blink alle 15 Sekunden. Leider kann man ihn nicht besichtigen oder besteigen. 

Das Sankt Peter Leuchtfeuer steht im Ortsteil Böhl, direkt am Deich und gehört mit Süderhöft zum südlichsten Teil von Sankt Peter-Ording. 

 

Böhler Leuchtturm
Böhler Leuchtturm

Ein Blick ins Nationalparkhaus

Seit 2009 gehört diese Region hier zum UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer, der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wurde bereits 1985 eingerichtet.

 

Wie ich durch meine Kollegin aus der Tourismus Zentrale SPO erfahren durfte, kommt die Nordsee jährlich sechs bis acht Meter näher an den Ort.

 

Im Nationalparkhaus wird einem nochmal ganz deutlich durch verschiedene Modelle und Filmvorführungen vor Augen geführt, wie schützenswert und auch wie anfällig durch das Verhalten von uns Menschen unsere Natur, unsere Erde doch ist. 

 

Ganz besonders angetan haben es mir heute die verschiedenen Aquarien des Nationalparkhauses mit ihren Bewohnern:

 

Gestatten: Taschenkrebs
Gestatten: Taschenkrebs
Platt wie eine Flunder
Platt wie eine Flunder
Der Hummer zeigt mir nur seine Scheren
Der Hummer zeigt mir nur seine Scheren
Katzenhaie sind bei uns wegen Überfischung selten geworden
Katzenhaie sind bei uns wegen Überfischung selten geworden
Die Strandkrabe ist der auffälligste Krebs iim Wattenmeer
Die Strandkrabe ist der auffälligste Krebs iim Wattenmeer

"Alles muss man hier selbst machen und aufräumen: der Stein muss weg.

Abendstimmung am STrand

Und zum guten Schluss? Wenn die Tage im Winter noch so kurz sind, der Sonnenuntergang bereits am späteren Nachmittag ist?

Einfach nur den Augenblick genießen. 

 

Auf Wiedersehen SPO!

Kommentar schreiben

Kommentare: 12
  • #1

    Daniela (Mittwoch, 23 Januar 2019 20:20)

    Meine liebe Anja da kann ich ja mal rüber winken .... schön Dein Lächeln zu sehen.
    80 km Spazieren am Strand ist doch schon eine Leistung.
    Liebe Grüsse sendet Daniela vom Meer

  • #2

    Claudia von aktiv-durch-das-leben.de (Mittwoch, 23 Januar 2019 20:26)

    Liebe Anja, ein wundervoller Bericht. Ich war schon viel zu lange nicht mehr am Meer, stelle ich gerade fest.
    Vielleicht sollten wir dort oben auch mal eine Sagen-Wanderung machen, denn an Sagen scheint es ja auch nicht zu mangeln, wenn ich die Geschichte von Maleen lese...
    Schöne Fotos!
    Liebe Grüße
    Claudia

  • #3

    Anja (Mittwoch, 23 Januar 2019 21:05)

    Liebe Daniela,
    so schön, mal wieder von Dir zu hören!
    Ich winke zurück nach Langeoog und freu mich auf ein Wiedersehen!
    Liebe Grüße
    Anja

  • #4

    Anja (Mittwoch, 23 Januar 2019 21:08)

    Liebe Claudia,
    Danke Dir! So schön, Dein Feedback!
    Zur Sagenwanderung an der Nordsee komm‘ ich dann auch gerne mit ;-).
    Aber lass uns erst mal unsere Geschichten rund um den Hunsrück erzählen - da gibt’s auch tolle Sagen und Märchen.
    Liebe Grüße
    Anja

  • #5

    Gabi Frijio (Mittwoch, 23 Januar 2019 21:20)

    Liebe Anja, das ist ja eine richtige Liebeserklärung an SPO. Ich war so lange nicht dort. Dein Beitrag macht Lust direkt zu starten�

  • #6

    Anja (Mittwoch, 23 Januar 2019 21:57)

    Liebe Gabi!
    Na dann, los! Auf nach SPO! Auf zum Wiederentdecken! Auf eine geniale IchZeit auch für Dich - hast Du Dir verdient :-)!
    Liebe Grüße
    Anja

  • #7

    Heidi (Mittwoch, 23 Januar 2019 22:09)

    Liebe Anja;
    einfach traumhaft.
    Wieder einmal hast du einen wunderschönen Bericht verfasst und viele Impressionen geteilt.
    Danke, auch dafür!
    Hab noch ne gute Zeit und genieße ....

  • #8

    Dirk (Mittwoch, 23 Januar 2019 22:09)

    Liebe Anja, ein wirklich toller Bericht mit wunderschönen Aufnahmen!!! Die hätten auch hier auf Borkum entstanden sein können, ich erkenne ganz viele Parallelen� Im Winter auf einer Insel in der Nordsee...das lässt sich wunderbar aushalten und man kann es einfach nur genießen!!! Ich tue es jeden Tag in jeder freien Minute am Strand und laufe kilometerweit entlang der Brandungszone und genieße warm eingepackt die Einsamkeit, den Wind, das Meeresrauschen und den Sand, besonders bei Ebbe, und heute auch noch obendrein Schnee dazu, das hat was�Liebe Grüße und auf bald...Dirk

  • #9

    Rudi (Mittwoch, 23 Januar 2019 22:27)

    Lang,lang ist es her.Mit Edith und Michael 1973 mein erster,ja mein erster Urlaub überhaupt,in St.Peter Ording.Deinen Blog zu lesen ,macht Spass und gibt mir sehr schöne Erinnerungen.

  • #10

    Anja (Freitag, 25 Januar 2019 18:34)

    Liebe Heidi,
    sehr gerne :-)!
    Ganz vielen lieben Dank für Dein Feedback!
    Liebe Grüße
    Anja

  • #11

    Anja (Freitag, 25 Januar 2019 18:37)

    Lieber Dirk!
    Schön, dass Du Dich von Borkum meldest! Das hört sich gut an, wie Du Deine Auszeit dort erlebst und gestaltest! Prima, dass es Dir gut tut.
    Wir sehen uns.... bald in Essen. Bis dahin liebe Grüße
    Anja

  • #12

    Anja (Freitag, 25 Januar 2019 18:40)

    Lieber Rudi,
    wo bist Du denn noch nicht gewesen ;-)?!
    Toll, dass die Fotos und das Blog Deine schönen Erinnerungen von Eurem ersten Familienurlaub hervorruft! Bewahre diese schönen Erinnerungen!
    Liebe Grüße
    Anja