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VOR-TOUR - Talk mit Hans-Peter Durst

 

"Hans-Peter Durst (...) ist ein deutscher Paracycler, der in der Kategorie T2 (Dreirad) startet. Bei den Paralympics in Rio de Janeiro errang er zwei Goldmedaillen" - so beginnt der Wikipedia-Eintrag zu Hans-Peter. 

 

Kennenlernen durfte ich Hans-Peter und seine Frau Ulrike als ich 2015 zum ersten Mal bei der großen "Tour der Hoffnung" (*) durch den Schwarzwald mit dabei sein konnte. 

 

(*) Die Tour der Hoffnung fährt seit 1983 durch Deutschland und sammelt Spenden für krebskranke Kinder. Die VOR-TOUR der Hoffnung  startet seit 1996 immer drei Tage VOR der Tour der Hoffnung , führt vornehmlich durch Rheinland-Pfalz und die Nachbarregionen, unterstützt  auch die Tour der Hoffnung und ist sozusagen deren "kleine Schwester" .

 

 

Lieber Hans-Peter, Du hattest 1994 einen Verkehrsunfall, durch den Du Deinen Gleichgewichtssinn verloren hast und Dein Sehfeld eingeschränkt wurde.
Wie hast Du den Weg schließlich zum Dreirad fahren gefunden?

 

Ja, am 9. Mai 1994 veränderte sich mein Leben sehr intensiv, nach 23 Monaten neurologischer Klinik wurde ich nach Hause entlassen.

Aufgrund der Unfallfolgen durfte ich meine geliebte Arbeit in der Feldschlößchen Brauerei Chemnitz nicht mehr aufnehmen, darf seither nicht mehr ein Auto lenken – da kam der damalige medizinische Direktor der Neurologischen Klinik Hess. Oldendorf auf die großartige Idee, mir für die Familienzusammenführung ein Reha-Dreirad in Abstimmung mit meiner Berufsgenossenschaft BGN zu „verschreiben“.

 

Dank der Geduld meiner Frau Ulrike und einiger Freunde gelang es mir dann 1998, einigermaßen sicher flach und geradeaus zu fahren.

 

 

Neben einigen Weltmeistertiteln warst Du bei den Paralympics 2012 in London dabei und hast eine Silbermedaille errungen. In Rio 2016 hast Du bei den Paralympics zwei Goldmedaillen geholt. Tokio 2020 sollte Deine letzte Teilnahme an den Paralympics sein. Nun sind sie auf 2021 verschoben – welche Gedanken hast Du im Hinblick auf eine Teilnahme nun 2021?

 

Für mich sollten die Paralympics in Tokyo 2020 mehr sein als die Weltspiele des Sports für Menschen mit Behinderungen – es sollten am 2. und 4. September meine beiden letzten Rennen für meinen Sportverband DBS im Team Deutschland Paralympics sein.

 

Nach den beiden „besonderen“ Paralympics 2012 und 2016, die ja bekanntermaßen jede für mich mit einer ganz eigenen Geschichte aufwarteten, freute ich mich gemeinsam mit meinem Trainer- und Betreuerteam auf herrliche sportliche Wettkämpfe auf dem wie für mich gemachten Fuji Speed Circuit unterhalb des heiligen Berges Fuji-San.

 

Als ältester Athlet in unserem deutschen Team habe ich gelernt, die Dinge entspannt anzugehen – so warte ich nun die Entwicklung des Verschiebungsgrundes ab, bleibe im Gesunderhaltungsmodus auf dem Dreirad und bereite mich so vor, als ob Morgen die Eröffnungsfeier im Olympiastadion zu Tokyo stattfinden würde.

 

Als Mensch, ursprünglich aus der Wirtschaft, bleibe ich aber verhalten optimistisch und kann mir aktuell keine fröhlichen Spiele des Sports in Tokyo 2021 vorstellen – aus medizinischen wie ökonomischen Gründen.

 

Wiedersehen mit Ulrike und Hans-Peter in Münster nach den Paralympics in Rio 2016

 

Eine der zwei Gold-Medaillen Rio 2016 (Straßenrennen und Einzelzeitfahren)
Eine der zwei Gold-Medaillen Rio 2016 (Straßenrennen und Einzelzeitfahren)

 

Kann es sein, dass mir Dein Dreirad schon bei der TOUR der Hoffnung, die 2009 in Bad Marienberg/Westerwald startete, aufgefallen ist? Wie lange bist Du schon bei der Tour der Hoffnung und dann schließlich auch bei der VOR-TOUR der Hoffnung mit dabei?

 

Liebe Anja, ob neben den vielen Toprennrädern Dir mein Edelstahl-Dreirad beim TOUR der Hoffnung Start in Bad Marienberg aufgefallen ist, kann ich nicht wissen.

Mein erstes TOUR Erlebnis stammt aus 2007 gemeinsam mit meinem Schwager Georg von Meibom.

Eine wellige Tour kreuz und quer am Rhein entlang – Köln – Bad Neuenahr – Linz – Orte und Begegnungen, die in mir und meiner Familie das TOUR-Fieber entfachten.

 

Schöne Spendenaktionen wie meine drei Fersengeld-Röntgenläufe in Remscheid, haben dieses Fieber auch auf Freunde und Bekannte überspringen lassen – Freundschaften haben sich gebildet – einfach wunderbar.

 

VOR-TOUR meets Casa Ciclista. Glücklich im Ziel Tannheimer Tal Radmarathon 2017. (3. von rechts: Hans-Peter Durst)
VOR-TOUR meets Casa Ciclista. Glücklich im Ziel Tannheimer Tal Radmarathon 2017. (3. von rechts: Hans-Peter Durst)

 

Neben der VOR-TOUR der Hoffnung hast Du noch ganz viele weitere tolle Projekte, die Du unterstützt. Gibt es eines, welches Dir ganz besonders am Herzen liegt und welches Du uns hier kurz vorstellen möchtest?

 

Durch die Erfolge auf meinen drei Rädern komme ich immer wieder mit ganz besonderen Menschen und Aktionen zusammen, so wie eben auch mit der TOUR und der VOR-TOUR.

 

Oft werde ich nach einem Vortrag dann angesprochen, ob ich mir vorstellen kann, ….

 

Es fällt mir wirklich ganz häufig sehr schwer, nein zu sagen, da auch meine Zeit ja begrenzt ist und ich mich gerne engagiere, aber mich dann auch wirklich einbringe.

 

So liegen mir zwei Stiftungen sehr am Herzen, beide auch von der Idee nah an den TOUR-Gedanken.

Zum einen die KAKS – KinderAugenKrebsStiftung von Monika König und ihrem Team. Der Kinderaugenkrebs ist eine „seltene Erkrankung“, da gilt es zu forschen und akut zu helfen, eine jährliche Aktion, so eben auch die Augenlicht-Radtour, bringt Aufmerksamkeit, Freude in der Gemeinschaft und natürlich auch die benötigten Spendengelder für die erkrankten Kinder.

 

Zum Zweiten die Stiftung zur Prävention und Nachsorge von Kopfverletzungen „savemybrain“, hier kann ich als Selbstbetroffener meine gemachten Erfahrungen für Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen weitergeben, werben für ein nachhaltiges Helmtragen bei unserer Fahrradleidenschaft und Mut machen bei der Nachsorge in Rehakliniken und in Schulen.

 

Bei allem Tun ist mir der rote Faden - die gleichwertige Teilhabe  im Leben – und gemeinsam wie mit den TOUR-, VOR-TOUR-, KAKS- oder savemybrain- Freunden leuchtet der Faden gleich noch viel roter.

 

Prominente Unterstützung zum Aqua-Jogging-Marathon 2019 in Kastellaun/Hunsrück zugunsten der VOR-TOUR der Hoffnung. Neben Hans-Peter Durst sind auch mit dabei Britta Unsleber (Fußballspielerin) und Annika Mehlhorn (Schwimmerin)

 

VOR-TOUR der Hoffnung bei Rad am Ring 2019
VOR-TOUR der Hoffnung bei Rad am Ring 2019

 

Inklusion ist Dir ein ganz wichtiges Thema. Was siehst Du als einen wichtigen Aspekt, den wir in unserer Gesellschaft „verstehen“ sollten, um der Inklusion mehr Vorschub leisten zu können?

 

Inklusion, ich nenne es gerne Gleichwertigkeit, ist für mich das Bindeglied für eine lebendige, offene und bunte Gesellschaft.

Leider bewegen wir uns aktuell wieder ein wenig davon weg, Rassismusdebatten, Ausgrenzungen von Lesben, Schwulen und Transsexuellen, Verfolgung und Misshandlungen von Wohnungslosen und Vieles mehr – Egoismus und „me first“ greifen um sich.

 

Daher braucht Inklusion AKTION – viele helfende Hände und kreative Köpfe können unsere Welt verbessern – gerne vertraue ich dem Geist der weiter trägt – zum Frieden – zur Gleichwertigkeit – zur Liebe.

 

 

 

Der Sport ist Dir wichtig. Helfen können ebenso. Und Deine Familie und Freunde sind ein ganz fester Bestandteil.

Danke Dir für die Freundschaft!

 

Pfronten/Lechtal/Tannheimer Tal 2020. DANKE für die Freundschaft!
Pfronten/Lechtal/Tannheimer Tal 2020. DANKE für die Freundschaft!

 

Hier geht's zum Blog von Hans-Peter.

Mehr Infos zu den von Hans-Peter genannten Projekten Kinderaugenkrebsstiftung und savemybrain.

 

Und hier habe ich Euch einen kurzen Überblick zur VOR-TOUR der Hoffnung zusammengestellt. 

 

 

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