130 km per Pedal (fast) non stop rund um's Tannheimer Tal

 

 

Ich bin wieder da. Im Tannheimer Tal. Die Anreise verläuft ganz rasch, da ich von Oberstaufen nach Tannheim starten kann.

 

Denn hier in Oberstaufen habe ich mich schon mal etwas akklimatisiert und meine Rennradrunde im Oberallgäu gedreht, bevor ich mich auf den Weg zum 09. Radmarathon-Tannheimer Tal mache.

 

Im letzten Jahr durfte ich diese wunderschöne Region erstmals kennenlernen - wie hier beschrieben und wie dieser Titel schon besagt: "Wiederholungsgefahr"!

 

Doch in diesem Jahr ist einiges anders:

  • ich beabsichtige, statt der 85 km auf die 130 km-Strecke zu gehen
  • neben den vielen Casa-Ciclista-Teamkollegen bekomme ich (moralische) Unterstützung durch einige VOR-TOUR-Radfahrer aus der Heimat
  • neben Hans-Peter und Ulrike Durst ist Steven Peace zu unseren Vorbereitungs-Einroll-Runden mit dabei. Hans-Peter und Steven haben gerade erst am UCI Paracycling Weltcup Finale in Emden/NL teilgenommen und schauen bereits in Richtung Paracycling Weltmeisterschaft in Südafrika im August
  • die Vorbereitungs-Radmarathon-Woche wird fotografisch begleitet durch Achim und Monika Meurer, denen ich dann auch direkt zufällig bei unserer ersten Rennrad-Einroll-Runde begegne

Was kann da also schief gehen?

Nun ja.....

 

Man kann zum Beispiel am Morgen des Radmarathons einfach verschlafen.

 

Den Start der über 1.000 Rennradfahrer, die bereits um 06.00 Uhr auf die 230 km-Strecke gehen, bekomme ich somit nicht mit. Aber dank Ulrike schaffe ich es wenigstens pünktlich zum Start der 85-/130-km-Starter um 07.00 Uhr. Das Frühstück fällt zwar etwas zu kurz aus, dafür ist das Adrenalin entsprechend hoch.

 

Beim Start jedenfalls bin ich (noch) optimistisch, die 130 km zu schaffen und dass das Wetter trocken bleibt.

 

Casa Ciclista meets VOR-TOUR der Hoffnung in Tannheim. Bin als Casa gemeldet, aber brenne gleichzeitig für die  VOR-TOUR :-) (Foto: Achim Meurer, siehe auch die nächsten zwei Fotos)
Casa Ciclista meets VOR-TOUR der Hoffnung in Tannheim. Bin als Casa gemeldet, aber brenne gleichzeitig für die VOR-TOUR :-) (Foto: Achim Meurer, siehe auch die nächsten zwei Fotos)

 

15 Minuten bevor wir 85-/130-km-Starter über die Startlinie rollen gehen Hans-Peter und Steven mit ihren Tricycles auf die 130-km-Strecke. Für beide ist dieses - obwohl z.B. im letzten Jahr in Rio bei den Paralympics teilgenommen oder beim UCI-Weltcup in Emden vor wenigen Wochen - etwas ganz besonderes. Denn eine Teilnahme bei solchen Radtouristikfahrten (RTF's) ist in der Regel für Tricycles ausgeschlossen.

 

Inklusion ist gar nicht so einfach.

 

Durch Unterstützung von Marcel Wüst und dem Organisationsleiter Michael Keller wird möglich gemacht, was bisher nicht möglich war! Die zwei Tricycle-Fahrer können teilnehmen! Fantastisch!

 

Da der erste Teil bis Grän über einen schmalen Wirtschaftsweg geführt wird und die breiteren Tricycles auf dieser kurzen Strecke ihren Raum im Vergleich zu den Zwei-Rad-Rennrädern einnehmen müssen, starten Hans-Peter und Steven etwas früher.

 

Viel von Hans-Peter gelernt habe ich bereits bei unserem gemeinsamen Tannheimer-Radmarathon-Aufenthalt im letzten Jahr. Nun darf ich Steven kennenlernen. Der sich nach einem Schlaganfall vor etwa 10 Jahren mit Mitte 30 nicht unterkriegen lässt. Sein rechtes Bein ist nur noch mit 10% einsetzbar. Und Steven gibt bei unserer gemeinsamen Ausfahrt zwei Tage zuvor absolut das Tempo vor, ich versuche, in seinem Windschatten zu bleiben. Den Gaichtpass zieht er hinauf, für mich gefühlte Stunden später treffen wir uns am vereinbarten Treffpunkt. Einfach nur beeindruckend und Mut machend.

 

Und beide freuen sich auf die 130 km Radmarathon Tannheimer Tal! Und erhalten - wie sie mir später erzählen - tollen Zuspruch und Anerkennung der Zwei-Rad-Rennfahrer in ihren Gruppen während des Events. So schön!

 

Hans-Peter Durst und Steven Peace kurz vor dem Start. (Foto - siehe auch die zwei nächsten Fotos -: Achim Meurer)
Hans-Peter Durst und Steven Peace kurz vor dem Start. (Foto - siehe auch die zwei nächsten Fotos -: Achim Meurer)

 

Und ich? Ich ziehe nach ca 10 Minuten dann doch die Regenjacke an (von wegen: es bleibt trocken - O-Ton Achim 😏) und versuche, den Anschluss an Ulrike zu bekommen und zu halten. Denn sie war es ja, die nach ihrem ersten "Radrennen" im letzten Jahr hier über die 85 km ins Ziel kam und prognostizierte: in 2017 gehen wir auf die 130-km-Strecke! Und ich lass' mich da drauf ein 😳. Doch: Ulrike zieht davon.

 

So richtig gut läuft's auf den ersten 50 km irgendwie nicht für mich. Ob's mit daran liegt, dass ich sozusagen verschlafen an den Start gegangen bin? Ich überlege, ob ich nach der Verpflegungsstation in Vorderhornbach dann doch auf die 85 km-Strecke gehe. Denn nach Vorderhornbach geht's links ab für die 85-km-Fahrer, rechts ab für die 130-km-Fahrer. Und wie der Zufall es will: An besagter Verpflegungsstation treffe ich auf Ulrike und Cees. Ich schließe mich ihnen an, Joachim von meinem Team Casa-Ciclista kommt dazu - Cees und Joachim ziehen Ulrike und mich über die folgenden 50 km durch das Lechtal über Holzgau bis zurück nach Weißenbach. Genial! Danke Euch Zwei!

 

Am Gaichtpass ziehen dann Cees und Joachim davon. Ulrike und ich fahren unser Tempo. Uns holen hier bereits die 230-km-Fahrer ein. Selbst nach diesem Pensum haben diese noch lockere Sprüche für uns übrig.

(Zwei Fotos folgend: Quelle Sportograf)

 

 

Wir wissen, dass wir es nach dem Gaichtpass noch nicht rollen lassen können. Aber sobald wir den Haldensee sehen, ist klar: jetzt hält uns nichts mehr, wir schaffen das. Das Ende der 130 km-Strecke ist nah.

 

Haldensee
Haldensee

 

Gut gelaunt, nach 5:39 Stunden (brutto) (netto: 5:13 Stunden) rollen Ulrike und ich gemeinsam über die Ziellinie in Tannheim!

Es waren meine zweiten 130 km per Rad in meiner bisherigen "Rennrad-Karriere". Und im Vergleich zur ersten 130-km-Runde habe ich meine Netto-Zeit um ganze 56 Minuten verbessert! Dies ist auch Ulrike, Cees und Joachim zu verdanken, die mich mitgezogen haben! Thanks!

Einfach nur GROSSARTIG!

 

VOR-TOUR der Hoffnung und Casa Ciclista im Ziel! 130 km! Done! (Foto: Sportograf)
VOR-TOUR der Hoffnung und Casa Ciclista im Ziel! 130 km! Done! (Foto: Sportograf)
Finished!
Finished!

 

Auf ein Neues. In 2018! Am 01. Juli. Zum 10. Radmarathon Tannheimer Tal.

 

Dabei? Dabei!

Impressionen rund um den Radmarathon Tannheimer Tal

Zöblen im Tannheimer Tal
Zöblen im Tannheimer Tal
Es sollte ein Tandem-Gleitschirmflug werden. Es blieb bei diesem Blick vom Neunerköpfle ins Tannheimer Tal. Die  Windverhältnisse sind kurzfristig auf anfängerunfreundlich gewechselt. Auf ein Neues beim nächsten Mal. Also: Abwärts wieder mit der Gondel.
Es sollte ein Tandem-Gleitschirmflug werden. Es blieb bei diesem Blick vom Neunerköpfle ins Tannheimer Tal. Die Windverhältnisse sind kurzfristig auf anfängerunfreundlich gewechselt. Auf ein Neues beim nächsten Mal. Also: Abwärts wieder mit der Gondel.

 

Und so haben es Achim und Monika Meurer erlebt - diese Rennradwoche im Tannheimer Tal. Hier die Geschichte zu ihren Fotos.

Was noch zu sagen wäre.....

 

Was bleibt zum Abschluss noch zu sagen? Eigentlich wäre es: "Es war mal wieder ein Gehaichnis!"

 

Aber mir ist es ein Anliegen ob der Geschehnisse in dieser Woche in Hürth, wo ein 17-jähriger Radfahrer von einem  Auto erfasst wird und stirbt - so wie viele andere bereits schon in diesem Jahr - nochmal innezuhalten.

 

Was macht uns, unsere Gesellschaft, unser Zusammenleben aus?

Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme! Auf uns. Auf unsere Umwelt. Auf unser Gegenüber.

 

Als ich beim "Einrollen" für den Tannheimer Tal-Radmarathon mit Steven und Ulrike meine Runde im Lechtal drehe und einmal direkt hinter mir nur noch das Quietschen der Autoreifen vernehme und mich schon im Graben liegen sehe, weil die Autofahrerin es wohl so eilig hatte und trotz Gegenverkehr ein Überholmanöver avisierte, keine 30 Sekunden warten konnte, bis dieser vorbei ist, ist es mir regelrecht schlecht. Es ist hier zentimetergenau nochmal gut gegangen. 

 

Egal, wie - per Rad, zu Fuß, per Auto - und als was Ihr unterwegs seid, ob Ihr Euch mit Partner, Kollegen oder (fremden) Mitmenschen auseinandersetzt, ihnen begegnet: Wechselt einfach mal den Blickpunkt, wechselt Eure Position, versetzt Euch in den jeweils anderen hinein. Was denkt, fühlt, erlebt Ihr jeweils in der Position des anderen? Wie würdet Ihr Euch verhalten? Was würdet Ihr in dieser Situation  erwarten?

 

Darüber hinaus kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu: Dass sich die Stärkeren für die Schwächeren in unserer Gesellschaft einsetzen. So kenne ich das.

Wie kennt Ihr das?

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Lörgen Uwe (Samstag, 15 Juli 2017 16:46)

    Hallo liebe Anja,
    Es ist wieder ein einmaliger Bericht von dir. Ich fand es auch sehr schön. , wir sehen uns ja in Kell.
    Liebe Grüße
    Uwe

  • #2

    Anja (Samstag, 15 Juli 2017 19:58)

    Lieber Uwe,
    danke für Dein Feedback! Schön, dass Du die Tage in Tannheim mit dabei gewesen bist!
    Wir sehen uns zum Radcamp in Kell am See - ich freu mich drauf!
    Bis dahin Euch eine gute Zeit und viele Grüße - auch an Silke und Sönke -, Anja