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Rom - Gedanken an ein Wiedersehen

 

 

Zweimal durfte ich bisher Rom besuchen. Jedes Mal mit einem guten Freund, der diese Stadt besonders liebte. Seine Begeisterung und sein Wissen über diese faszinierende Stadt steckte an, die Touren durch die Straßen von Rom mit ihm waren voller Geschichten, Staunen, Entdecken, Spaß.

 

Es ist für mich wichtig und nun an der Zeit, auch meine Erinnerungen an diese "ewige Stadt" festzuhalten. Viel zu lange habe ich damit gewartet.

 

Denn unser erster Besuch liegt schon 16 Jahre zurück. Der zweite Besuch knapp elf Jahre.

Was ist das schon, mögt Ihr jetzt denken? Wo doch Rom eine Geschichte hat, die älter als 3.000 Jahre ist.

 

 

Die Begeisterung meines Freundes Thomas war ansteckend - von der ersten Minute an zog mich Rom in seinen Bann. Ihr wisst, dass mich Bildhauerei und Michelangelo interessiert. Und durch meinen Lateinunterricht habe ich viel über die griechische und römische Geschichte lesen müssen.

Und nun stand ich mitten in Rom, historische Hauptstadt des Römischen Reiches und mit ihren 4 Mio Einwohnern größte Stadt Italiens.

 

Ich werde die Szene nie vergessen, als wir am Bahnhof in Rom ankamen und weiter nach dem Weg mit Bus und Bahnen fragen wollten. Thomas, der aufgrund seiner Liebe zu Rom natürlich auch italienisch lernte, formte, bevor er die Frage stellte, in seinen Gedanken vorab und lange die Frage, die er dann dem Busfahrer in perfektem italienisch stellte. Und dieser antwortete prompt - auch in perfektem italienisch, schnell und fließend.... nur: verstanden hat auch Thomas absolut nichts. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände -:). Ok, wir waren ja auch erst angekommen und schließlich muss man sich auch etwas eingewöhnen und akklimatisieren.

 

Papstaudienz

 

Am Mittwochmorgen fand eine Generalaudienz des Papstes statt. Einen Teil der Audienz konnten wir noch miterleben, als uns unser Weg vom Hotel am Petersdom entlang in Richtung Stadtmitte führte. Besuchergruppen aus der ganzen Welt wurden begrüßt und Papst Benedikt XVI. (2005 - 2013) hielt Lesungen in verschiedenen Sprachen. Diese Generalaudienzen finden - außerhalb von Pandemiezeiten - generell Mittwochmorgens i.d.R. auf dem Petersplatz statt.

Petersdom und Kuppel sind zur Zeit der Papstaudienz geschlossen. Wir planen den Besuch des Domes und der Kuppel somit für einen der kommenden Tage ein.

 

Großbildleinwände stehen überall auf dem Platz
Großbildleinwände stehen überall auf dem Platz

 

Schließlich tauchen wir ein. In das Straßengewirr. Der Lärm der Autos und der Motorroller ist enorm. Wir suchen uns Wege weg von dem Straßenverkehr, suchen und finden ein nettes Café in der Nähe der Landschaftsgärten der Villa Borghese, nahe bei der Spanischen Treppe und der Trinitá dei Monti.

 

Spanische Treppe
Spanische Treppe

 

In diesem historischen Zentrum von Rom befinden sich viele der "must haves" mit dem Fontana di Trevi aus feinstem Carrara-Marmor, dem Pantheon, der besten Eisdiele der Welt, dem Vier-Ströme-Brunnen auf der Piaza Navona mit der Donau, dem Nil, dem Ganges und dem Rio della Plata - jeder Fluss von einem anderen Bildhauer geschaffen, der Engelsburg, der Aelisbrücke, welche die Fußgänger auf die Engelsburg zuführt - vollständig ist nicht aufzuzählen, was hier alles zu entdecken ist. Jeder Schritt Geschichte. Und jeder Platz, jedes Gebäude, jeder Brunnen mit einer eigenen, spannenden Geschichte!

 

Natürlich kommen mir auch die Bilder von "Illuminati" von Dan Brown und auch die des Films "Ein Herz und eine Krone" mit Gregory Peck in den Sinn, als wir hier entlang dieser fulminanten, beeindruckenden Gebäude und Plätze unterwegs sind.

 

Fontana di Trevi
Fontana di Trevi
Fontana dei Quattro Fiumi
Fontana dei Quattro Fiumi
Piazza Navona
Piazza Navona
Engelsburg
Engelsburg
Via della Conciliazione
Via della Conciliazione

Lido di Ostia

 

Mit der Bahn geht es nach Südwesten, ans Mittelmeer. Lido di Ostia ist ein Stadtteil Roms und gehört zum Municipio X.

 

Am Bahnhof angekommen, schlagen wir den Weg zum Meer ein und kommen an der Kirche Santa Maria Regina Pacis vorbei - schön groß und hell ist sie von innen. Hinter der Orgel über dem Kircheneingang strahlt durch ein wunderschönes und farbenfrohes Kirchenfenster die Sonne herein.

 

Es war mal ein Traum von mir: ein Mini. Doch ich denke, ich bin "herausgewachsen" :-).
Es war mal ein Traum von mir: ein Mini. Doch ich denke, ich bin "herausgewachsen" :-).
Santa Maria Regina Pacis
Santa Maria Regina Pacis

 

Es ist Oktober. Obwohl die Luft recht frisch ist, scheint das Meer noch gute Temperaturen zu haben. Einige von uns probieren es aus und stürzen sich in die Fluten.

 

Ostia Antica

 

Auf dem Rückweg von der Küste wieder in Richtung Rom Zentrum machen wir einen Abstecher zur archäologischen Stätte einer gut erhaltenen früheren römischen Hafenstadt. Hier an der Mündung des Tiber (heute liegt die Mündung des Tiber ganze fünf Kilometer weiter flussaufwärts) wurde im 7. Jahrhunder v.Chr. die erste römische Kolonie gegründet.

Viele Bereiche des antiken Stadtgebietes sind ausgegraben und recht gut erhalten.

 

 

Zurück am Abend in Rom zeigte uns Thomas noch "seine" besonderen Schätze. Mit dazu gehört Sankt Paul vor den Mauern, eine der Papstbasiliken von Rom. Es ist schon spät, die Tore sind geschlossen. Wir erhaschen nur noch einen Blick durch die Gitter der Tore auf die Statue des Paulus im Atrium der Basilika.

 

Sankt Paul vor den Mauern
Sankt Paul vor den Mauern

Basilika Sankt Peter

 

Heute geht es endlich rauf: in die Kuppel des Petersdoms. Wir brauchen etwas Geduld, bis wir endlich auf dem Dach stehen und Rom von oben mit faszinierenden Ausblicken erleben können.

 

Und wieder bin ich auf den Spuren von Michelangelo Buonarotti, der auch als Architekt arbeitete. Erst 20 Jahre nach dem Tod Michelangelos allerdings konnte die Kuppel fertiggestellt werden. Damit sie aber ganz im Sinne des Architekten gebaut werden konnte, hatte der zur Zeit des Auftrages 70jährige Michelangelo ein  4 x 5 Meter großes Modell gebaut um hierüber sicherzustellen, dass die Kuppel ganz in seinem Sinne - auch wenn er vor Fertigstellung sterben sollte - gebaut wird.

 

 

Vom Petersdom aus schaut man in die vatikanischen Gärten, auf das vatikanische Museum, auf den Petersplatz Richtung Engelsburg ..... - lange haben wir von dieser Stadt noch nicht alles gesehen - dies wird uns von hier oben noch einmal sehr bewusst.

 

 

Die Ostfassade des Petersdoms ist von 13 ca sechs Meter hohen Figuren gesäumt. Sie stellen Jesus, Johannes den Täufer und die Apostel (außer Petrus) dar.

 

Da fehlt doch noch was.....

 

Unsere Tour geht weiter per Pedes durch Rom. Der Konstantinbogen erinnert mich auch an meine Heimat: Konstantin hat vor ca 1700 Jahren von Trier aus das weströmische Reich (es erstreckte sich von Schottland bis nach Nordafrika!) verwaltet.

Und der Konstantinbogen in Rom wurde ihm zu Ehren erbaut, weil Kontantin bei der Schlacht an der Milvischen Brücke seinen Widersacher Maxentius besiegte.

 

Das Kolosseum als Austragungsort von Veranstaltungen, welche oft grausam und brutal waren. Die Veranstaltungen wurden vom Kaiserhaus durchgeführt, um die freien Bewohner der Stadt Rom zu unterhalten und zu belustigen. Das Kolloseum ist heute Wahrzeichen der Stadt.

 

Würdet Ihr es wagen? Eure Hand in den "Mund der Wahrheit" zu stecken? Diese Marmorscheibe ist in der Vorhalle der Kirche Santa Maria in Cosmedin angebracht. Es heißt, wer die Unwahrheit sagt und seine Hand ein den Mund schiebt, dem wird sie abgebissen.

 

Der Römische Marktplatz, das Forum Romanum, war Mittelpunkt des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Lebens. Es ist heute eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten des antiken Roms.

 

Auf dem Kapitolshügel in der Nähe vom Forum Romanum liegt das Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II, dem ersten König des neugegründeten Königreiches Italien, das Vittoriano. Es wird von den Römern auch scherzhaft "Macchina de scrivere" (Schreibmaschine) genannt.

 

....und auch das ist noch lange nicht alles, was es in Rom noch zu entdecken gibt und was wir alles mit Thomas entdeckt haben. 

 



Konstantinbogen
Konstantinbogen

Kolloseum

Mund der Wahrheit
Mund der Wahrheit

Forum Romanum. Rechts mit dem Septimus-Serverus-Bogen.

Monumento a Vittorio Emanuele II
Monumento a Vittorio Emanuele II
Rush Hour
Rush Hour

Vatikanische Museen

 

Wir sind ganz früh dran. Und dennoch: die Schlange zum Eingang zu den Vatikanischen Museen ist schon unendlich. Aber: ich will heute unbedingt rein, bevor mein zweiter Aufenthalt in Rom zu Ende geht.

Ich möchte sie sehen: die Sixtinische Kapelle mit den Deckenmalereien von Michelangelo!


Endlich haben auch wir es geschafft und sind am Eingang zu den Vatikanischen Museen.

 

Die Wege scheinen unendlich, verworren, verwinkelt. Immer wieder muss ich stehen bleiben, bewundern, wundern. Schließlich führt der Weg in die 40 Meter lange Sixtinische Kapelle. Sie ist voll von Menschen. Es stehen Museumsmitarbeiter umher, die uns mit einem "schscht" ermahnen, Stille zu halten. Dieses "schscht" erscheint mir fast lauter als das Gemurmel der vielen Menschen. Ich erhasche einen Sitzplatz an den Wänden, tauche ab, höre weder das Gemurmel der Menschen um mich rum noch das "schscht" der Museumsaufsicht. Wie lange ich dort sitze und die Deckenmalereien von Michelangelo auf mich wirken lasse, die Szenen suche und erkenne, kann ich nicht mehr sagen. Lange hatte ich den Wunsch, dieses sehen zu können. Dankbar.

 

In den endlosen Gängen der Museen
In den endlosen Gängen der Museen

 

Dieses Glasmosaik mit dem Namen A. Wendling gibt es irgendwo in den vielen langen Gängen der Vatikanischen Museen. Thomas hatte es bei einem seiner ersten Besuche entdeckt und für mich fotografiert. Wir haben versucht, es bei unserem gemeinsamen Besuch 2010 im Museum wiederzufinden - es ist uns nicht gelungen.

Ich werde weitersuchen.

 

Wenn du zurück schaust auf die Zeit, die wir hatten, dann hoffe ich du lächelst. (Im Hintergrund die Kuppel des Petersdoms)
Wenn du zurück schaust auf die Zeit, die wir hatten, dann hoffe ich du lächelst. (Im Hintergrund die Kuppel des Petersdoms)

 

Ich werde Rom wieder besuchen. Dann mit Stadtplan, denn du wirst dieses Mal nicht dabei sein.

Ich werde bei jedem Schritt an dich denken.

Danke für deine Freundschaft! 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Judith (Samstag, 03 April 2021 23:44)

    Wunderschön geschrieben. Thomas würde sich freuen und hätte sicher verschmitzt den einen oder anderen Kommentar hierzu abgegeben. Ich glaube, er lächelt Dir von oben zu.

  • #2

    Ahmetovic Ricarda (Sonntag, 04 April 2021 11:52)

    Liebe Anja,
    Sehr schön geschrieben. Ich habe moch direkt zurück versetzt gefühlt in den März 2019. Ich war mit meiner Freundin mit einer Gruppe unserer Pfarrei in Rom, begleitet durch unseren Pfarrer Clemens Grünebach. Er hat 5 Jahre in Rom gelebt und gearbeitet und konnte uns (ähnlich wie Dein Freund Thomas) an tolle Stellen in Rom führen und von dort erzählen.
    Liebe Grüße und frohe Ostern
    Ricarda

  • #3

    Judith (Samstag, 02 April 2022 15:11)

    Liebe Anja,
    heute früh habe ich in der Zeitung den Nachruf gelesen und verwundert registriert, dass es nun tatsächlich schon 1 Jahr her ist, dass Thomas nicht mehr bei uns ist. Die Zeit rennt umso schneller, je älter wir werden.
    Dass ich nun Deinen wundervollen Bericht zum zweiten Mal lesen durfte und das ausgerechnet am heutigen Tag, lässt mich dankbar zurückblicken und ich denke an die schönen Abende bei Dir zu Hause, als wir zusammen mit Thomas Moussaka oder andere leckere Sachen gegessen haben. Da waren auch einmal Thomas´ Italienischkenntnisse und der Moment Thema, als Thomas den Busfahrer auf italienisch angesprochen und die Antwort nicht verstanden hat �� Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke �
    Ich bin sicher, Thomas weiß, dass wir an ihn denken, egal wo er auch gerade sein mag.
    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Judith