Unjani? Ngiyaphila, wena!?


Ngiyaphila nami!


Diese zweite Woche auf der Ulwazi Lodge verging wie im Flug!




Und das, obwohl diese zweite Woche nicht ganz so voll gepackt ist mit exercises, wie die erste. Diese Wahrnehmung des laisses-faire hängt sicherlich auch damit zusammen, dass aufgrund starken Regens der Night Drive am Montag ausfallen musste und wir hier in der Lodge so richtig abhängen konnten. Wobei uns der Night Drive eindeutig lieber gewesen wäre.

Etwas schwächer wurde der Regen am Dienstag morgen: Also für das Projekt "conservation" um 06.30 Uhr raus auf die Strecke und Wege freischneiden:

 

Wichtig hierbei ist - schließlich sind wir auf freier Wildbahn unterwegs - sich immer nur in dem Bereich zwischen unseren zwei in ca 300 m Abstand geparkten Wagen zu bewegen. Je einen Meter rechts und links des Weges befreien wir von herumhängenden Ästen, Dorngestrüpp - immer den Boden und die Büsche feste im Blick: tummelt sich dort einen Schlange, ein Skorpion?

 

Über die Wege querliegende Bäume erfordern Zusammenarbeit und Anpacken - einige dieser alten Bäume schaffen wir mit gemeinsamer Kraftanstrengung aus dem Weg.

 

Auch ist darauf zu achten, dass die Machete nicht aus der Hand flutscht und in hohem Bogen durch die Luft saust, was durchaus passieren kann (und mir passiert, aufgrund der viel zu großen Arbeitshandschuhe).

Sarah, die gerade meinen Bereich passiert, ist zum Glück schon außer Reichweite. Somit verzichte ich lieber auf unpassende Arbeitshandschuhe zugunsten Blasen an den Händen.

 

Fast fällt auch der Drive am Nachmittag ins Wasser. Wir entscheiden uns aber schließlich doch für den Drive, packen unsere Regenjacken und hoffen, dass der Regen irgendwann nachlässt. Das Gegenteil tritt ein.

So ein starker Regen kombiniert mit schnellem Tempo (Simon, unserer Guide meint es gut und möchte uns rasch zurück zur Lodge bringen - bisher erschien mir der Weg zurück zur Lodge nie so lange wie an diesem Tag) fühlt sich auf der Haut an wie Nadelstiche.


Den Löwen stört der Regen weniger - was ihn stört, sind wir. Kaum sind wir da, steht er auf und "versteckt" sich hinter einem Baumstamm. Aber immer noch nah genug, um für das Projekt "Research" ganz genau zu erfassen. Bis zu 16 verschiedene factsheets gilt es auszufüllen, um das Verhalten, Standort uvm zu dokumentieren und im Nachgang auszuwerten.


Projekt "Research" unterwegs: Noch nieselt es nur ein wenig. Dies sollte sich noch ändern in den folgenden Stunden.
Projekt "Research" unterwegs: Noch nieselt es nur ein wenig. Dies sollte sich noch ändern in den folgenden Stunden.
Ruhigeres Plätzchen suchen und.....
Ruhigeres Plätzchen suchen und.....
...finden.
...finden.

 

Der ausgefallene Night Drive wird nachgeholt. Die Fotos, die auf diesem Drive entstanden sind, erspare ich Euch lieber. Da ich zu diesem kein Stativ dabei habe, wirken die Fotos eher wie abstrakte Kunst - gespenstisch zwar aufgrund der Lichteffekte, aber nicht wirklich schön.

 

Am Ende des dreistündigen Night Drives sehen wir mehrere Hyänen. Was die eine Hyäne gerade dort am Wegesrand frißt, will ich eigentlich nicht wirklich wissen.

 

Aber passend: Unser Guide Collin hat uns in dieser Woche einen Vortrag über Hyänen gehalten - somit konnten wir direkt unser Wissen zu dieser "spottet hyena" einbringen.

 

Spaß macht auch die Zulu-Lesson mit Sinda.

Ich bin ja hier angekommen und kenne nur "Sawubona" (= Hallo). Nun übe ich mich mit unseren Gastgebern hier auf der Ulwazi-Lodge in ein paar Worten mehr Zulu:

- Yebo = Ja oder Hallo

- Unjani = wie geht es dir?

- Ngiyaphila, wena = Mir geht es gut, und dir?

- Ngiyaphila nami = Mir geht es auch gut.

- Ngiyajabula Ukukwazi = Ich bin froh, dich kennen zu lernen.

- Ngiyajabula Ukukubona = Ich bin froh, dich zu sehen.

- Ngiyabonga kakule = Vielen Dank.


Die restlichen 60 Begriffe und Redewendungen, die Sinda uns beigebracht hat, werde ich wohl nicht mehr alle lernen.

Sinda, unser Guide und Zulu-Lehrer
Sinda, unser Guide und Zulu-Lehrer

 

Für das Fotografie-Projekt und die zu erstellenden worksbooks für die Kinder der communities stehen in dieser Woche "Bäume" und "Wildblumen" im Fokus unserer Arbeit. Da ich mit meinem 200 mm-Objektiv etwas eingeschränkt bin in meiner Arbeit, werde ich meinem Ruf hier gerecht und halte den Fokus vornehmlich auf die Bäume - wobei einige meiner Wildblumen-Motive durchaus auch Anklang in der allabendlichen Kritik-Runde finden.

 

Grundsätzlich ist es aber spannend zu erfahren, wie unterschiedlich Fotografen ein und dasselbe Bild bewerten. Wir haben Christian Sperka, Fotograf des Thanda Privat Game Reserve, auf dessem Grund und Boden die Ulwazi Lodge liegt, zu einem Gastvortrag hier und besprechen mit ihm im Nachgang unsere Fotos. Es ist fast wie der "Streit" zwischen Canon- und Nikon-Nutzern. Einstellungen, die wir bei Paul, Emil und Tim gelernt haben, gelten für Christian in keinster Weise.

Wie auch immer - ich war froh, mal wieder deutsch zu sprechen und zu hören: Christian kommt aus der Nähe von Lörrach und arbeitet seit 2008 hier auf dem Thanda-Gelände.

Einen ganzen Tag verbringen wir im benachbarten Mkuze Game Reserve. Auf dem Weg dorthin passieren wir einige Ortschaften und Siedlungen. Aufgrund der Weihnachtsferien sind viele kids on the road. Wir sehen die Frauen bei der Wäsche, der Feldarbeit. Einige der Projekte, die durch uns auf der Ulwazi Lodge initiiert und umgesetzt werden, plane ich in einem der nächsten Blogartikel mal kurz vorzustellen.

Die Vegetation im Mkuze Game Reserve ist nicht so buschig wie bei uns auf Thanda und Mduna, so dass wir mehr Tiere sehen. Auch dürfen wir an bestimmten Stellen aussteigen und Aussichtspunkte und Rastplätze nutzen - eine Wohltat, diese - wenn auch kurzen - Spaziergänge durch diese Landschaften.


Immer im Dienst, Aussichtspunkt im Mkuze Game Reserve.
Immer im Dienst, Aussichtspunkt im Mkuze Game Reserve.

 

Mächtig viel Fun und Vorfreude auf's Wochenende bringt uns das Sundowners-Quiz mit anschließendem Sundowner-Drive im Mduna-Reservat. In drei Gruppen müssen wir das bisher Erlernte ins Quiz einbringen - mit der ein oder anderen Fangfrage. Unsere Gruppe macht den ersten Platz 😄 - da hat sich die Gruppen-Zusammensetzung "Australien-Belgien-Frankreich-Deutschland" richtig gut bewährt.

 

Selfie während des Sundowners-Drive
Selfie während des Sundowners-Drive

 

Dieser angenehme, spaßige Abend fand leider einen unschönen Abschluss. Eine der Volunteers, Jen, ertappte eine Person in ihrer cabin, wie sie gerade ihre Sachen durchwühlte und dann rasch flüchtete - zum Glück ohne etwas entwendet zu haben. Jen erkannte noch, dass die Person ein blaues T-Shirt trug, rief sofort Hilfe. Die Crew der Lodge schwärmte umgehend aus, teilweise sogar bewaffnet. Der Flüchtende wurde nicht mehr gefasst, aber am nächsten Morgen wurde er anhand des T-Shirts identifiziert. Er gesteht, entschuldigt sich und muss die Lodge und seinen Arbeitsplatz umgehend verlassen. Die Crew der Lodge reagiert darüber hinaus und richtet einen 24-Stunden-Wachdienst ein.

Danke dafür! Denn: unsere cabins sind nicht abzuschließen, meine cabin liegt am Rande des Geländes und ich nutze diese nun alleine, da aufgrund der low season eine cabin frei wurde und Jesyka aus Kanada und ich jeweils auch eine eigene cabin beziehen konnten.

So kann ich aber dennoch einigermaßen beruhigt schlafen.

 

Und dann kommt wieder Freitag - die Woche verging rasend schnell.

Und Freitag machen sich wohl auch die Tiere auf ins Wochenende und passieren unsere Wege.

Was wir gesehen und erlebt haben, war faszinierend:

Ruhend....
Ruhend....
...auf uns zuschreitend....
...auf uns zuschreitend....
...uns zublinzelnd....
...uns zublinzelnd....
...ihren Durst löschend....
...ihren Durst löschend....
...aus dem Weg schaffend.
...aus dem Weg schaffend.

 

Und am Nachmittag nehmen uns Büffel, Geparden, Giraffen und Elefanten gefangen - fast 700 Fotos habe ich alleine an diesem Tag gemacht. Diese gilt es alle noch zu sichten, zu selektieren, zu bearbeiten. Ein paar Momente dieses genialen Erlebnisses als wir bestimmt über eine Stunde die zwei Geparden und das Verhalten der Giraffen um diese zwei herum beobachteten, kann ich schon präsentieren.

 

Gestartet sind wir bei den Buffalos an einem großen Wasserloch.

 

Während der eine Büffel Fangen mit dem Vogel spielt, döst der Rest der Meute in der Sonne.
Während der eine Büffel Fangen mit dem Vogel spielt, döst der Rest der Meute in der Sonne.
Buffalo-Junior
Buffalo-Junior
Familienausflug
Familienausflug


Dass Christian Sperka hier in unmittelbarer Nähe zum Wasserloch wohnt, haben wir vorher nicht gewusst. Wir treffen ihn kurz - er bestätigt die vielen tollen Erlebnisse, die er ganz oft hier erfahren darf: Sein Büro-Fenster ist auf dieses Wasserloch gerichtet. Wenn ich da an meinen Ausblick aus meinem Bürofenster in der Löhrstraße in Koblenz denke....


Per Funk erfahren wir durch die anderen Guides, dass endlich mal wieder Elefanten gesichtet wurden - seit meinem ersten Tag auf der Ulwazi Lodge haben wir keine mehr gesehen. Auf dem Weg zu den Elefanten aber machen wir eine geniale Entdeckung: zwei Geparden am Wegesrand, mehrere Giraffen und Zebras im Hintergrund. Wir pirschen uns ran und harren der Dinge, die da kommen:



Cheetahs in der Mitte unter dem Baum (ich hoffe, Ihr könnt sie ausmachen - Suchbild 😉), umringt von Zebras und Giraffen (und uns)
Cheetahs in der Mitte unter dem Baum (ich hoffe, Ihr könnt sie ausmachen - Suchbild 😉), umringt von Zebras und Giraffen (und uns)


Es war lustig zu erleben, wie die Giraffen uns beäugten, die Geparden beäugten, wir die Giraffen ins Visier nahmen - wer hier wohl wen mehr im Fokus hatte?

Nur die Geparden scherten sich weder um die Giraffen, noch die Zebras, noch um uns Menschen.


Der Nachmittag neigt sich dem Ende und eigentlich wollten wir uns doch auch noch an die Elefanten heranpirschen. Pirschen mussten wir gar nicht, plötzlich standen sie wenige Meter von uns weg am Wegesrand und hatten auch keine Scheu - zumindest der Kleine der Familie - auf uns zuzukommen und einen Meter vom Wagen weg abzudrehen, um seines Weges zu ziehen.


Platz da, jetzt komm ich!
Platz da, jetzt komm ich!


Hier noch ein paar wenige (!) Impressionen von dem, was mir sonst noch so über den Weg lief in dieser Woche und die (noch) nicht in meinem Album auf Facebook oder auf Instagram veröffentlicht sind:



Und während wir letztes Wochenende u.a. den Zulu-Markt besucht haben, werden wir an diesem Wochenende in Ghost Mountain abtauchen und es uns gut gehen lassen.


auf dem Zulu-Markt
auf dem Zulu-Markt
Zulu-Markt
Zulu-Markt
Zulu-Markt
Zulu-Markt


Sala kahle! Uzinakekele!

(Goodbye! Take care!)

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Kommentare: 8
  • #1

    Sabine Oppenhäuser (Samstag, 20 Dezember 2014 13:00)

    Super schöne Fotos Anja

  • #2

    Susanne (Samstag, 20 Dezember 2014 13:43)

    Wunderschöne Fotos, Anja!Tolles Chamäleon!! Schöne Geparden und ein ganz interessanter Bericht.
    Es macht Spaß, ein bisschen dadurch "mit"Dir in Afrika zu sein.
    Dir einen ganz schönen vierten Advent and:
    "Take care!"
    Liebe Grüße aus Münster,
    Susanne

  • #3

    Walburga (Samstag, 20 Dezember 2014 14:36)

    Hallo Anja, Fotos und Bericht wecken tief vergrabene Sehnsüchte und Erinnerungen. Ich folge Dir mit Spannung und freue mich auf Deine Schilderung der afrikanischen Weihnacht.
    Liebe Grüße aus dem nass-kalten Greimerath

  • #4

    Rudi Roth (Samstag, 20 Dezember 2014 16:31)

    Sawubona,
    Unjani....brauche ich ja nicht zu fragen.
    Man muss nur Deinen Bericht lesen und die wunderschönen Bilder sehen
    Ngiyabonga kakule und schöne Weihnachten in der Ferne

  • #5

    Gabi (Sonntag, 21 Dezember 2014 08:34)

    Liebe Anja, Deine Beiträge und Bilder zeigen, dass die Monate der Vorfreude sich gelohnt haben und Du nun die "Erfüllung eines Herzenwunsches" erlebst. Deine Liebe zu Afrika steht hinter jeder Zeile und jedem Bild. Ich wünsche Dir einen wunderbaren 4. Advent. Herzliche Grüße und noch viele spannende Erlebnisse. Gabi

  • #6

    Carola Notter (Mittwoch, 24 Dezember 2014 17:57)

    Liebe Anja, aktueller Eindruck bei uns: windig, nein eher schon stürmisch. Dunkel, nass und auch kalt... Aber immerhin: Heiliger Abend 2015. Ganz anders da Deine Berichte und die wirklich tollen Fotos! Danke für das "Dabei-sein-können" bei Deinem Gehaichnis !!!
    Liebe Grüße aus Karbach. Deine Carola

  • #7

    Judith (Samstag, 27 Dezember 2014 15:45)

    Liebe Anja,
    es sind wunderschöne Fotos, die Du uns zeigst. Ich freue mich, dass es Dir so gut gefällt und Du Dich wohlfühlst. Weihnachten unter afrikanischer Sonne hast Du nun hinter Dir und ich bin gespannt auf Deine Eindrücke und das, was Du in der Zwischenzeit erleben durftest. Ich wünsche Dir einen schönen Jahreswechsel.
    Viele Grüße aus dem Schnee
    Judith

  • #8

    Anja (Dienstag, 30 Dezember 2014 16:17)

    Liebe Sabine, liebe Susanne, liebe Walburga, lieber Rudi, liebe Gabi, liebe Carola, liebe Judith,

    ganz vielen lieben Dank für das Dabei sein! Es ist toll zu wissen, dass Ihr mich begleitet auf diesem "Experiment Volontariat". Ganz besonders freut mich, dass Euch Bericht und Fotos gefallen :-) - Merci!

    Schicke Euch viele liebe Grüße in die Heimat, wünsche Euch einen guten Jahreswechsel!

    Eure Anja