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(M)Ein Tag in/rund um Kochel am See

Kochelsee mit Blick auf den Rötelstein
Kochelsee mit Blick auf den Rötelstein

 

Erst mal ankommen. Im Zwei-Seen-Land. Gemeint sind der Walchen- und der Kochelsee in Oberbayern.

 

Da ich nur auf der Durchreise bin, bleibt mir ein Tag, um ein wenig in/um Kochel am See kennenzulernen. Auf meiner Liste steht unbedingt eine Wanderung zum Lainbach-Wasserfall.

 

Früh morgens wandere ich in Kochel los. Die Wolken hängen noch sehr tief. Es heißt, dass dies oft so sei und dass die Sonne diese schon vertreiben wird im Laufe des Vormittags. 

 

Der Tau des frühen Morgens liegt auf den Netzen, die sich um die Pflanzen ranken. Tropfen an Tropen, erste Rinnsale bilden sich auf diesen zarten Gebilden. 

 

 

Es sind mit mir noch einige andere Wanderer so früh unterwegs. Auf meinem Rundweg zum Wasserfall soll auch der Aussichtspunkt Tiroler Kreuz liegen, den ich - trotzdem es noch so früh und nebelig ist - unbedingt auch besuchen möchte. Am Waldrand und somit an der Weggabelung angekommen fehlt jedoch jeglicher Hinweis auf diesen besonderen Punkt. Auch die anderen Wanderer sind auf der Suche und Orientierung, die Beschilderung gibt keine Hinweise auf das Tiroler Kreuz. 

 

Wahrscheinlich bin ich verwöhnt durch unsere Hinweisbeschilderung in meiner Heimatregion, welche i.d.R. nicht nur entlang des Weges durch die Kennzeichnung aufzeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Besonders wertvoll empfinde ich bei uns auch die Hinweisschilder an Entscheidungssituationen mit Informationen zu den Fern- und Nahzielen mit entsprechender Kilometerangabe. 

 

Ich orientiere mich hier jetzt weiter an der Karte, frage Passanten, Wanderer. Obwohl keiner mir wirklich weiterhelfen kann, da sie selbst auf der Suche sind, finde ich es doch: das Tiroler Kreuz. 

 

Tiroler Kreuz

 

Das Tiroler Kreuz wurde zum Gedenken an das hier am Schelmbichl ausgetragene Gefecht vom 17. Juli 1809 errichtet. 

„Die Tiroler hatten sich unter Andreas Hofer gegen die Eingliederung nach Bayern erhoben. Während die Bayerische Armee am Hauptkriegsschauplatz Niederbayern und später beim Vormarsch Richtung Wien gebunden war, fielen die Tiroler immer wieder ungestört ins bayerische Voralpenland zu umfangreichen Plünderungen ein. 

Zum Grenzschutz wurde daher eilends ein sogenanntes Gebirgsschützenkorps unter Oberst Graf Arco aufgestellt. Nach vielen kleine Scharmützeln drangen die Tiroler am 17. Juli 1809 mit gut 2000 Mann über den Kesselberg vor, um einen Angriff gegen München zu führen. 

Am Schelmbichl trafen sie jedoch auf den erbitternden Widerstand von ca 400 Mann des Gebirgsschützencorps Arco. In mit Verhauen gesicherter Stellung und mit guter Positionierung der Kanone konnten sie den mit Übermacht vorgetragenen Attacken in achtstündigem Gefecht standhalten.“ (Quelle: Infotafel am Schelmbichl)

 

Lainbach-Wasserfall

Vom Tiroler Kreuz geht es wieder zurück zum Lainbach - mein Weg führt nun die nächsten etwa 30 Minuten durch Bergwald und auf Stufen hinauf zum Lainbach-Wasserfall.

 

Begleitet wird diese Strecke von einem Vogellehrpfad, der bis zum Wasserfall acht verschiedene, heimische Vogelarten mit ihren jeweiligen Eigenheiten vorstellt.

 

 

Der Lainbach, welcher auf etwa 1.200 m Höhe am Ausläufer des Hirschhörnlkopf entspringt, ist nur etwa 3 km lang und mündet schließlich in den Kochelsee. 

Am Wasserfall angekommen, wo der Lainbach ca 15 m hoch hinabstürzt, lohnt sich eine kurze (Verschnaufs)Pause. Durch die Sonne ist der tiefliegende, feuchte Nebel nämlich tatsächlich zwischenzeitlich fast gänzlich aufgelöst und die Sonnenstrahlen blitzen immer wieder durch die Bäume.

 

Lainbach-Wasserfall
Lainbach-Wasserfall

 

Steile Stufen führen mich weiter hinauf, wieder weg vom Wasserfall. Hier merke ich, wie laut doch der Wasserfall ist und welche wundervolle Ruhe nun meine folgende Strecke begleitet. 

 

Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die Bäume und zaubern wunderschöne Grüntöne, Schatten und Muster. Und auch die Bäume selbst zeigen bizarre Formen.

 

 

Ich suche mir weiter den Weg und frage mich wieder durch - die mir entgegenkommenden Wanderer bestärken mich, dass ich bei der letzten Entscheidungssituation im Wald doch die richtige Abzweigung gewählt habe. Schließlich erreiche ich den Waldrand, vor mir öffnet sich der Blick auf die Almwiesen, die letzten Wolken hängen noch tief - hier links ab führt mich mein Weg wieder Richtung Kochel. Rechterhand geht es weiter nach Benediktbeuren mit seinem Kloster. 

 

 

Ab hier führt ein breiter Forstweg hinab - mit einem kleinen Abstecher über eine Wiese zur Aussicht "Kohlleite". Hier an diesem Ort schuf der deutsche Maler Franz Marc Anfang des 20. Jahrhunderts sein Bild "Zwei Frauen am Berg" -  ausgestellt im Franz-Marc-Museum in Kochel. 

 

Aussichtspunkt Kohlleite

 

Loisach-Kochelsee-Moore

 

Um die Mittagszeit bin ich schon wieder im Ort Kochel und schlendere entlang der Loisach durch eine riesige unter Naturschutz stehende Niedermoor-Landschaft jenseits der Berge - eine solch "platte" Landschaft hatte ich hier in Oberbayern gar nicht erwartet. Diese Moorlandschaft ist durch den Isar-Loisach-Gletscher am Ende der letzten Kaltzeit vor ca 15.000 Jahren hier im Alpenvorraum entstanden und wird seit nun etwa 1.000 Jahren auch landwirtschaftlich genutzt. Neben den vielen Streuobstwiesen, die entstanden sind, ist hier auch ein Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. 

 

Verschiedene schmale Wege durchziehen dieses Niedermoor, welche neben Wanderern/Spaziergängern auch gerne durch Radfahrer genutzt werden - gegenseitige Rücksichtnahme großgeschrieben.

 

Kochelsee

 

Ca 20 km bin ich heute nun gewandert. Da habe ich mir nun eine Schiffsrundfahrt über den Kochelsee verdient, oder?

Aufgrund der besonderen Situation durch Corona kann man derzeit nur in Kochel ein- und aussteigen, in den Orten Altjoch oder Schlehdorf wird aktuell nicht zum Zwischenhalt angelegt.

 

Ich genieße diese etwa 60-minütige Fahrt in den frühen Abend hinein und den abkühlenden Wind nach diesem dann doch noch sonnigen und sehr warmen Tag im September. 

 

Blick zum Jochberg (1.565 m)
Blick zum Jochberg (1.565 m)
Walchensee-Wasserkraftwerk
Walchensee-Wasserkraftwerk
Schlehdorf
Schlehdorf
Zufluss der Loisach bei Schlehdorf
Zufluss der Loisach bei Schlehdorf

 

Und auf der Schiffsrundfahrt erfahre ich noch so einige interessante Fakten, wie z.B. 

  • dass der südlicher liegende Walchensee 200 m höher als der Kochelsee liegt
  • dass das Speicherkraftwerk eines der größten seiner Art in Deutschland ist und heute nur noch als Spitzenlastkraftwerk fungiert. Der Durchmesser der Rohre beträgt 2 m
  • dass die Loisach, welche unterhalb von Schlehdorf in den Kochelsee mündet praktisch eine fast 180°-Wende macht und bei Kochel den See in die Richtung Benediktbeuren wieder verlässt
    ......

 

Wolken über dem 1.731 m hohen Herzogstand
Wolken über dem 1.731 m hohen Herzogstand

 

Ein richtig schöner Tag geht zu Ende. Eindrücke. Begegnungen. Erlebnisse.

 

Gehaichnis.

 

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