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Auge in Auge

Auge in Auge mit dem Luchs
Auge in Auge mit dem Luchs

 

 

Auge in Auge mit den Tieren.

 

Diesesmal nicht in Afrika. Sondern mitten im Hunsrück treffen wir sie - auf unserer Runde durch den Hochwildschutzpark in Rheinböllen.

 

Direkt am Eingang empfangen sie uns: Die Erdmännchen. Sie scheinen sich hier im Hunsrück recht wohl zu fühlen. Sie sind sehr gesellig und leben in größeren Kolonien. Diese tagaktiven Tiere haben die Eigenart, dass sie auf zwei Beinen stehen und wie es scheint stundenlang die Umgebung zu beobachten. Der Kopf geht ruckartig hin und her.

 

Einige der Artgenossen buddeln weiter an ihrem Bau, in den sie schnell flüchten können, sollte Gefahr in Verzug sein. Die kleinen halbmondförmigen Ohren können so geschlossen werden, dass beim buddeln kein Sand hineingelangen kann.

 

 

 

Einige Meter weiter ist eine nächste Art der Mangusten untergebracht: Die Zebramangusten. Hier geht es allerdings etwas gemächlicher zu und nicht so wuselig wie bei den Erdmännchen, obwohl auch Zebramangusten tagaktive Tiere sind. Jedoch zur Mittagszeit suchen sie sich gerne ein schönes Plätzchen, kuscheln miteinander und ruhen sich aus.

 

Auge in Auge mit der Zebramanguste
Auge in Auge mit der Zebramanguste

 

 

Der Park wurde 1967 gegründet. Über einen kleinen Abstecher kann man die Geschichte des Parkes erfahren.

Sie handelt auch von Wolfausbrüchen, Kängurus, die mal ausgebüchst sind. Sogar ein Mord ist hier passiert im Rahmen eines Überfalls in den 70ern.

 

Prof. Dr. Grzimek ließ sich nicht nur von Afrikas Tierwelt begeistern. Auch der Park in Rheinböllen fand seine Bewunderung.

 

 

 

Bereits in 2015 hat der Hochwildschutzpark die VOR-TOUR der Hoffnung unterstützt. Auch in den folgenden Jahren ließ sich das Team immer wieder die ein oder andere tolle Aktion einfallen, um über diese Spenden für die krebskranken und hilfsbedüftigen Kinder zu sammeln.

Großartig! Auch hier an dieser Stelle nochmals tausend Dank für dieses Engagement für die VOR-TOUR der Hoffnung!

 

 

 

Wir folgen weiter dem großen Rundweg, welcher knapp 3 km über das fast 100 ha große Gelände führt. Begleitet werden wir hier auf den ersten Metern von den Geräuschen der naheliegenden A 61, die hier vorbeiführt.

 

Nächste Station ist laut Geländeplan des Parks das Gelände der Rothirschen. Während einige Tiere eine Abkühlung per Kneipp-Bad nutzen, sucht der Hirsch den Schatten.


Das Rotwild unterscheidet sich vom Damwild nicht nur durch die Fellfarbe, sondern das Damwild hat auch weiße Flecken.

 

 

 

Und hier auf dem Gelände spaziert das Damwild munter mit uns auf den Wegen. Sie dürfen mit speziellem Futter, welches an verschiedenen Stellen vor Ort zu erwerben ist, sogar aus der Hand gefüttert werden. Ganz großes Kino für die Kids.

 

 

Obwohl Geruchssinn und Sehvermögen beim Damwild stärker ausgeprägt sind als das Hörvermögen und es bei Gefahr flüchtet und Warnlaute ausstösst, kommen die zwei hier ganz nah und neugierig auf uns zu und wir stehen uns Auge in Auge gegenüber.

 

Ganz deutlich sieht man auch den typischen dunklen Strich, den Aalstrich, auf dem Rücken der Tiere, beidseitig begrenzt von einer weißen Tupfenlinie.

 

Die Lauscher der Damhirsche können unabhängig voneinander bewegt und um 180° gedreht werden. Hierüber können sie Geräusche ganz genau orten, ohne Kopf und Körper bewegen zu müssen und hierüber gegebenenfalls Aufmerksamkeit zu erregen.

 

 

 

Eigentlich verstecken sich die nachtaktiven Waschbären tagsüber und kommen erst in der Dämmerung hervor. Die zwei hier aber lassen sich die Sonne auf das gräuliche Fell scheinen und dümpeln in den Tag hinein vor sich hin.

 

Der Waschbär stammt eigentlich aus Nordamerika. In den 30er Jahren wurde er bewusst zur Ansiedlung in Deutschland ausgesetzt. Die Akzeptanz hierüber ist heute unterschiedlich: für die einen gehört er zwischenzeitlich zu unserer heimischen Tierwelt dazu. Für die anderen stehen die negativen Auswirkungen im Vordergrund. Denn der Waschbär stellt durchaus ein Problem für bodenbrütende Vögel und Amphibien dar. Auch ist er bei hoher Bestandsdichte oft ungebetener Gast in unseren Wohngegenden: da hört man nachts schon mal des öfteren Scheppern und Rumpeln im Garten oder auf dem Speicher.

 

 

 

In direkter Nachbarschaft der Waschbären ist das Gehege der Polarwölfe - eine ziemlich unbekannte, wenn auch die größte Unterart des Wolfs. 

Sie haben ein dichtes, weiches Fell, in welches man am liebsten reingreifen möchte. Doch Achtung: Der Polarwolf hat keine natürlichen Feinde, lebt eigentlich in menschenfeindlichem Polargebiet und die Forschung über sein Leben hat noch einige Aufgabenstellungen hierzu vor sich.

 

 

 

Rund um Karpfen und Bachforellen schwirren die Libellen in Ufernähe des Sees. Diese kleinen Insekten können bis zu 50 km/h schnell werden. Ihre Flügel schlagen dabei 30 x pro Sekunde. Wenn Ihr sie mal beobachtet habt, ist Euch bestimmt aufgefallen, dass sie ganz abrupt ihre Richtung wechseln können oder in der Luft stehen bleiben. Dies ist möglich, weil sie ihre Flügel unabhängig voneinander bewegen können.

 

Auge in Facettenauge mit der Libelle
Auge in Facettenauge mit der Libelle

 

 

Gerade wollten wir den Aussichtsturm wieder verlassen, da hat er sich doch überraschend sehen lassen. Der Luchs quert sein Gehege und macht es sich dann am Zaun gemütlich. Eigentlich ist dieser Einzelgänger nachtaktiv und gehört mit zu den größten europäischen Landraubtieren. Dieses Tier steht auf der roten Liste des Bundesamtes für Naturschutz und ist stark gefährdet.

 

 

Die Haarpinsel an den spitzen Ohren des Luchses helfen Lautquellen zu orten und können bis zu 5 cm lang werden. Es ist untersucht, dass sie hierüber ein vorbeiziehendes Reh in 500 m Entfernung hören können.

 

Das wichtigste Sinnesorgan des Luchses ist jedoch das Auge. Es ist sechs Mal so lichtempfindlich wie unsere Augen, wodurch der Luchs Nachts und in der Dämmerung gut jagen kann.

 

 

 

Unser Weg führt uns weiter durch das Gelände hin zu den Lamas, welche hier in diesem Gehege mit Emus zusammen leben.

Es scheint so, als dass sie gerade ihre Mittagspause machen und hierzu den Schatten gesucht haben.

 

Lamas sind eine Kamelart und leben eigentlich in Südamerika.

Man hört ja oft, dass Lamas spucken und hierbei sehr treffsicher sind. Dies tun sie eigentlich nur auf ihre Artgenossen und nicht auf Menschen. Sie zeigen hierüber ihre Dominanz auf und weisen auf ihr Rangverhältnis hin. Wobei die weiblichen Tiere immer ranghöher als die männlichen Tiere sind.

 

Wir jedenfalls wurden nicht bespuckt, als wir uns so Auge in Auge gegenüberstanden.

 

 

 

In unmittelbarer Nachbarschaft der Lamas sehen wir diese Bisons und erinnern uns an frühere Filme aus dem "wilden Westen" oder an Szenen aus "Der mit dem Wolf tanzt".

Diese Wildrinder standen kurz vor ihrer Ausrottung, als Nordamerika besiedelt wurde. In dieser Zeit des "Buffalo Bill" wurden wohl mehrere tausend Tiere am Tag erlegt. U.a. durch die Gründung des Yellowstone Nationalparks 1872 wurden diese Tiere gerettet und der Bestand konnte wieder deutlich erhöht werden.

 

 

 

Der Emu, welcher im Bereich der Lamas mit lebt, ist während unseres Besuches permanent entlang des Zaunes, der den Bereich zu den Kängurus abtrennt, unterwegs. Er läuft unablässig auf und ab, fest das Nachbargehege und die Kängurus im Blick. Was immer ihn dazu bewegt, die Kängurus jedenfalls bleiben während dieser Zeit geschützt in ihrem Bereich. Leider sehen wir diese Beuteltiere heute nicht springen - ob die strenge Beobachtung des Emus hier mit Grund dafür ist?

 

Hab Ihr gewusst, dass auch die Kängurus kurzfristig eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h erreichen können? Dies ist dadurch möglich, dass sie mit den Hinterbeinen bei hohem Tempo springen und der Schwanz als fünftes Gliedmaß in der Luft bleibt und die Balance hält.

 

Links das Känguru, rechts der aufmerksam blickende Emu
Links das Känguru, rechts der aufmerksam blickende Emu

 

 

Wir kommen zu einer Stelle, an der wir uns entscheiden müssen: weiter auf dem etwas unbeschwerlicheren Rundweg oder links ab über einen etwas anspruchsvolleren Pirschpfad - in dieser Corona-Zeit entsprechend als Einbahnstraße ausgeschildert.

 

Wir entscheiden uns für den engeren, anspruchsvolleren Pirschpfad. Die angekündigte tolle Aussicht auf den Volkenbacher Weiher haben wir entweder übersehen oder diese ist zwischenzeitlich dem Pflanzenwachstum zum Opfer gefallen.

 

Was uns jedoch noch mehr verwundert ist die Ignoranz einiger Parkbesucher. Obwohl den Rahmenbedingungen geschuldet (siehe COVID 19)  klar und deutlich ausgeschildert, dass dieser Pirschpfad aufgrund der engen Wegeführung nur als Einbahnstraße zu nutzen ist, meinen einige Parkbesucher, sich diesem Hinweis widersetzen zu müssen.

Nicht nachvollziehbar. Schließlich geht es doch um unser Miteinander. Um Rücksicht. Um gemeinsam Erreichtes.

 

 

Am Ende des Pirschpfades treffen wir auf die Mufflons. Wir wussten nicht, dass ihr natürliches Verbreitungsgebiet u.a. auf Sardinien liegt. Während unseres Rennradcamps auf dieser fantastischen Insel (vgl. Link unten) sind sie uns nicht ins Auge gefallen.

 

Die Mufflons sind gekennzeichnet durch ihre nach hinten gedrehten, dicken, spiralförmigen Hörner. Diese können so lang werden, dass sie eine Schnecke bilden.

 

 

 

Bei uns in Deutschland nicht so verbreitet ist das Jakobsschaf, auf welches wir einige Meter weiter treffen. Die Kleinen haben sich liebevoll in Kuhlen geschmiegt, schlafen und dösen hier. Wir sind völlig uninteressant für síe.

 

V.a. in Großbritannien ist dieses Schaf, welches dem Hirten Jakob aus der Bibel nach benannt wurde, zu Hause.

 

 

 

 

Wir nähern uns wieder dem Volkenbacher Weiher am Eingang des Parks, kommen zum Streichelzoo, der zu diesen COVID-19-Zeiten geschlossen ist. Die Ziegen jedoch sind da, sind weiter neugierig.

 

Dass wir Menschen Ziegen domestiziert haben ist mehr als 8.000 Jahre her. Hiernach sind Ziegen die ältesten vom Menschen domestizierten Tiere überhaupt.

 

Volkenbacher Weiher
Volkenbacher Weiher

 

 

Der Schwarzschwan oder auch Trauerschwan gehört zur Gattung der Schwäne und ist fast völlig schwarz. Er lebt vornehmlich in Australien und Neuseeland und kann ausgewachsen eine Körperlänge von bis zu 140 cm erreichen. Der Schnabel ist leuchtendrot, an der Schnabelspitze weiß abgesetzt.

 

Stockente. Schwimmente. Hausente.
Stockente. Schwimmente. Hausente.

 

Unsere Runde ist beendet, wir sind wieder an Start-Ziel am Volkenbacher Weiher angekommen. 

 

Zwischenzeitlich ist es später Nachmittag geworden, die meisten Besucher sind sicher noch auf der Runde - auf diesen 100 ha haben sich die Gäste des Parks sehr gut verteilt. 

 

Nach einem Kaffee mit leckerem Kuchen im Bistro und stöbern im Laden machen wir uns auf den Heimweg. Voll von schönen Eindrücken und Begegnungen. Mit vielen weiteren Informationen. Nachdenklich.

Danke!

 

Anthrazitfarbene Füße des Trauerschwans. Unterwegs
Anthrazitfarbene Füße des Trauerschwans. Unterwegs

 

 

Care for nature.

 

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